Kleines Walsertal, großes Abenteuer

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Ein kleines Tal im österreichischen Vorarlberg bietet allerlei Bergabenteuer für Groß und Klein. Es grenzt direkt an die Allgäuer Alpen und ist durch seine geographische Beschaffenheit nur von Oberstdorf in Bayern aus erreichbar. Dieses kleine, wunderschöne Tal erstreckt sich über 15 Kilometer Breite und sieben Kilometer Länge. Auf diese Fläche reihen sich vier Orten (Riezlern, Hirschegg, Mittelberg und Baad) aneinander wie Perlen einer Kette, welche auf einen blau glitzernden Faden gezogen wurden. Den Faden bildet der Fluss Breitach. Der größte Berg im Tal ist der Widderstein mit 2533 m.

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Auch wenn Geologie für die meisten vermutlich uninteressant sein mag, so spannend ist doch die Tatsache, dass es nur wenige Gegenden in den Alpen gibt, welche auf ähnlich kleinem Raum mit derart vielen verschiedenen Gesteinsformationen aufwarten können. So besteht beispielsweise der Widderstein in der südöstlichen Ecke aus Dolomitgestein, welches ihm sein schroffes, hellgraues Antlitz verleiht.

P1000859Das dominierende Gestein ist der Flysch. Vertreten sind noch der Aptychenkalt und der Schrattenkalk, welcher dem Hohen Ifen sein amüsantes Erscheinungsbild verleiht und dem wir auch die atemberaubende Erscheinung der Breitachklamm zu verdanken haben.

Interessent sind aber durchaus auch die geschichtlichen Randdaten. So wurde das Tal ab 1270 von den Walsern aus der Schweiz besiedelt, was sich heute noch hörbar in den sprachlichen Unterschieden zum Rest Vorarlbergs widerspiegelt. Bereits in der Jungsteinzeit wurde das Tal bewohnt, davon zeugen Funde im Gottesacker unterhalb des Hohen Ifen.

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Aber genug der Fakten – auf geht’s ins große Abenteuer im kleinen Tal der Walser.

Die Anreise von Augsburg aus über die A8-A7 ist in ca. 2 bis 3 Stunden zu schaffen. Damit ist es ein schnell zu erreichendes Ziel, auch für Wochenend-Ausflüge. Eine Unterkunft ist leicht und preiswert über die Seite vom Kleinwalsertal zu finden.

37183235_450198745496548_7762195841741225984_oIn den vier Tagen unseres Aufenthaltes hatten wir das Ziel durch die von Outside-Stories zur Verfügung gestellten Wanderführer Kleinwalsertal und Erlebnis-Wandern mit Kindern Oberstdorf – Kleinwalsertal vom Bergverlag Rother, möglichst schöne und kinderfreundlichen Touren zu entdecken.

TIPP: Beachtet bei der Buchung eurer Unterkunft, dass euch diese die Allgäu-Walser-Card zur Verfügung stellt. Damit spart ihr einiges an Geld, da ihr mit dieser die Busse kostenlos und Lifte vergünstigt innerhalb des Tales benutzen könnt.  Viele Gastgeber machen auch bei der Aktion „Sommer – Bergbahn – Inklusive“ mit. Bei der Unterkunftsuche auf der Kleinwalsertal-Seite, könnt ihr das als Suchkriterium anhaken.

Höhenweg von Hirschegg nach Baad

Unsere erste Wanderung führte uns auf den Höhenweg von Hirschegg nach Baad, welcher ein eindrucksvolles Panorama über das gesamte Tal bietet, da er auf einer Höhe von ca 1400 m entlang der Bergkette rund um das Walmendinger Horn verläuft. Dieser ist entweder zu Fuß oder über die Heubergbahn in Hirschegg erreichbar. Er verläuft fast steigungslos bis zur Bühlalpe auf einem geschotterten Wirtschaftsweg und ist somit auch mit dem Kinderwagen zu bewältigen. Lediglich beim Abstieg nach Baad solltet ihr euren Kinderwagen fest im Griff haben, da dieser teils aus sehr steilen Teerpassagen besteht und besonders nach Regen rutschig werden kann. Wir  sind mit Kraxe unterwegs und Niklas läuft auch selbst schon größere Strecken, daher war der Weg für uns kein Problem. Die gesamte Strecke beträgt 6,6km. Wir haben uns wirklich viel Zeit gelassen für die Wandernung. Es gab Brotzeit unterwegs und anschliessend haben wir uns noch einen Eiskaffee im Cafe Alpenwald genehmigt. Wir haben ca. 4 Stunden  nach Baad benötigt inklusive der Pausen. Laut Wanderführer ist die Strecke aber auch in 1:45 Sunden zu bewältigen, was wir für realistisch halten.

 

Burmi-Erlebnisweg

Von Baad aus kommt man bequem mit dem Bus zurück zum Ausgangspunkt. Wir konnten aber noch nicht genug bekommen und sind weiter bis zur Station Kanzelwandbahn. Von dort aus kann man an der Breitach entlang den Burmi-Erlebnisweg entdecken. So, und wer ist jetzt gleich nochmal dieser Burmi? Burmi, das Murmeltier, ist sowas wie das Maskotchen des Kleinwalsertals, da die niedlichen Gesselen hier „Burmenta“ genannt werden. Der Erlebnisweg ist eine speziell für die Kleinen angelegte Wanderung mit neun Spielstationen. Diese sollen deren Geschicklichkeit und Gleichgewichtssinn fördern und ausprägen. Die Gesamtdistanz beträgt 3,6 km. Besonders am Bauen von Steinmännchen am Ufer der Breitach hatte Niklas die größte Freude. Zurück in Hirschegg war der Kleine dann aber auch  geschafft und ein toller Tag, gespickt mit vielen Erlebnissen, neigte sich dem Ende zu.

 

Burmiwasser & Fellhorn

Am ersten Abend hat Niklas sich noch darüber beschwert, dass wir bis jetzt zu weit „unten“ waren und nicht gaaaaaaannnnzzzzz nach oben auf den Gipfel sind. Seinem Wunsch haben wir gerne nachgegeben und diesmal ging’s hoch hinaus. Genauer gesagt mit der Kanzelwandbahn auf den Zwei-Länder-Weg von der Kanzelwand zum Gipfel des Fellhorns mit seinen 2037 Meteren. Hier oben befindet sich auch die zweite Burmi-Tour, entlang des Weges Richtung Fellhorn verläuft das Burmiwasser mit seinen vielen Schleusen, Wasserrädern und allerlei Wasserspielen.

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Bereits beim Verlassen der Bergstation eröffnet sich ein großartiger Blick auf die Kanzelwand und die Allgäuer Alpen. Der Gipfel des Fellhorns thront in greifbarer Nähe auf dem Gipfelplatteau, aber man sollte sich davon nicht täuschen lassen, in Gebirgen wirken Entfernungen und Höhenunterschiede deutlich kleiner als sie letzten Endes sind. Zunächst geht es also entlang des Burmiwassers von 1950 Metern runter auf 1802 Meter, bevor der Anstieg auf die 2038 m des Fellhorngipfels bevorstehen. Die Mittagshitze und gut 20 Kilo auf dem Rücken (Niklas + Kraxe + allerlei Wanderausrüstung) sind nicht zu unterschätzen.  Dann endlich stehen wir vor dem Gipfelkreuz. Niklas steht mit seinen 3 Jahren auf seinem allerersten Gipfel und dabei hat er sogar selbst einiges vom Weg zurückgelegt. Stolzer könnten wir auf die Leistung unseres kleinen Gipfelstürmers nicht sein.

 

Theoretisch wäre es von hier aus möglich gewesen über einen relativ schmalen Gratweg weiter Richtung Söllereck zu wandern. Das erschien uns aber doch etwas zu riskant mit der Kraxe, daher habe wir uns entschieden mit der Fellhornbahn auf die Oberstdorfer Seite abzufahren um von dort aus unseren Weg mit dem Bus Richtung Breitachklamm fortzusetzen.

Breitachklamm

Wie der Name schon sagt, wurde die Klamm durch die Breitach geschaffen. Sie beginnt im Kleinwalsertal und reicht bis nach Tiefenbach, einem kleinen Örtchen bei Oberstdorf. Die Klamm ist die tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas. Entstanden ist sie nach dem Rückgang der Gletscher in der Würm-Kaltzeit, der letzten Eiszeit im Alpenraum vor rund 147.000 Jahren. Als die Gletscher schmolzen schnitt sich die Breitach tief in den Schrattenkalk und hinterließ eine ca. 150 Meter tiefe Schlucht. Seit der Erschließung 1904 ist die Klamm für Besucher auf einer Länge von 2,5 km begehbar.

Wir mussten auf unserem Weg am Oberstdorfer Busbahnhof umsteigen und sind von dort direkt zum Eingang auf deutscher Seite gefahren. Umso weiter sich der Weg durch die Klamm Richtung Walserschanze schlängelt um so tiefer und beindruckender wird sie.

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Man sollte aber für die Kleinen und ggf. auch für sich selbst Wasserdichte und warme Jacken mitnehmen. Bei unserem Besuch hatten wir ca. 35° Grad, trotzdem war es tief in der Klamm wirklich ordentlich kalt, so dass Niklas sogar seine Mütze haben wollte. Bei einer Wanderung durch sollte man die Klamm als großer Mensch, Papa ist immerhin um die 1,90m, gut trainierte Oberschenkel haben, da man den ein oder anderen Meter tief gebückt zurücklegen muss.

Nach gut einer Stunde Wanderung hatten wir dann die Walserschanze erreicht. Glücklichweise findet sich auch hier eine Bushaltestelle, von welcher wir direkt zurück nach Hirschegg gelangen konnten. Ein Tag voller „Höhen“ und „Tiefen“ ging zu Ende und wir haben viele neue Eindrücke mitgenommen.

 

Walmendinger Horn

Am dritten Tag wurden die Füße schon langsam schwerer, so dass wir beschlossen haben heute mal etwas Ruhigeres zu unternehmen. Da wir aber nicht auf einen weiteren Gipfel verzichten wollten, sind wir von Mittelberg aus mit der Gondel auf’s Walmendinger Horn gefahren (welche natürlich auch wieder dank, Allgäu-Walser-Card umsonst war). Papa war ja Anfang Mai bereits mit den Product-Scouts von Outside-Stories dort und wollte unbedingt nochmal hoch. So bringt uns also die Gondel hoch auf 1946 Meter, von hier aus sind es dann nur noch wenige Meter bis zum Gipfel auf 1990 hm. Anschließend gibt es dann noch ein wirklich hervoragendes Mittagessen in der Gipfelstuba. Den Nachmittag haben wir dann noch recht unspektakulär mit „shopping“ im Allgäu Outlet und packen verbracht.

 

Eichhörnchenwald Fischen

Leider war unsere Zeit im Kleinwalsertal viel zu schnell wieder vorbei und so hieß es dann „Hit the road Niklas, but you’ll come back“. In unserem Wanderführer haben wir aber noch etwas interessantes für den Heimweg entdeckt, was für Niklas sicher noch ein kleines abschließendes Highlight darstellen kann. Es gibt nämlich in Fischen ein öffentliches Wäldchen, in welchem zutrauliche Eichhörnchen leben. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wie ihr auf den Fotos schön sehen könnt sind die kleinen Kerlchen tatsächlich kein bisschen ängstlich. Ihr solltet aber Nüsse mitnehmen, wenn ihr wollt das die Eichhörnchen auf Tuchfühlung gehen. Schließlich gibt’s nix umsonst.

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So ging also unsere traumhafte Zeit im Tal der Walser zu Ende und es hätte noch sovieles zu sehen, erwandern und erleben gegeben. Wir werden also definitiv noch öfter Zeit dort verbringen. Also solltet ihr uns dort mal begegenen freuen wir uns über ein freundliches „Servus“.

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